Corpsgeschichte

Aus der Landsmannschaft Hildesia bildete sich am 10. Juni 1854 das Corps Hildeso-Guestphalia.

Die Wurzeln unsers Corps liegen jedoch sehr viel weiter zurück. Bereits um das Jahr 1772 gründete sich in Göttingen die Landsmannschaft der Westfälinger, der 1787 der „Westphälische Burschenkommers“ folgte. Diese westfälische Tradition der Göttinger Studenten wurde durch die im Jahr 1801 gestifteten Guestphalia fortgeführt, welche damals bereits die seinerzeitigen westfälischen Landesfarben grün-weiß-schwarz trug und sich Ende 1811 erstmals „Corps“ nannte. Damit verbunden war auch eine landsmannschaftliche Öffnung: man begann nun auch Studenten aufzunehmen, die nicht aus Westfalen stammten.

Neben Persönlichkeiten wie den vier Abgeordneten der Paulskirche im Jahr 1848, Freiherr von Ketteler, von Vincke, von Bodelschwingh und Aulike war auch Heinrich Heine Mitglied bei den Göttinger Westfalen, denen er später in „Deutschland – Ein Wintermärchen“ folgende Zeilen widmete:

“Den lispelnd westfälischen Akzent
vernahm ich mit Wollust wieder;
viel süße Erinnerung dampfte der Punsch,
ich dachte der lieben Brüder,

Der lieben Westfalen, womit ich so oft
in Göttingen getrunken,
bis wir gerührt einander ans Herz
und unter die Tische gesunken!

Ich habe sie immer so liebgehabt,
die lieben, guten Westfalen,
ein Volk, so fest, so sicher, so treu,
ganz ohne Gleißen und Prahlen.

Wie standen sie prächtig auf der Mensur
mit ihren Löwenherzen!
Es fielen so grade, so ehrlich gemeint,
die Quarten und die Terzen.

Sie fechten gut, sie trinken gut,
und wenn sie die Hand dir reichen
zum Freundschaftsbündnis, dann weinen sie;
sind sentimentale Eichen.”

Nach der Suspension des Corps Guestphalia im Jahr 1845 wurde am 06. August 1852 eine Verbindung Hildesia gegründet, die am 13. Dezember durch Eintritt in den LC Landsmannschaft wurde und aufgrund von Unstimmigkeiten mit den anderen ortsansässigen Landsmannschaften am 10. Juni 1854 beschloss, Corps zu werden. Das damit entstandene Corps Hildesia änderte umgehend mit Rücksicht auf viele in Westfalen beheimatete Mitglieder den Namen in Corps Hildeso-Guestphalia, nahm die Farben der alten Guestphalia an und trat am 12. Juni 1854 in den Göttinger SC ein.

Das Corps Hildeso-Guestphalia verstand sich selbst nicht als direkte Fortsetzung der alten Guestphalia, war sich aber sehr wohl der historischen Zusammenhänge und der Fortführung der Tradition bewusst, sodass neben den Farben und Teilen des Wappens insbesondere auch die zuvor bestandenen Freundschaftsverhältnisse der alten Göttinger Westfalen zu den anderen Westfalen in Bonn, Jena usw. wieder aufgenommen wurden. Darüber hinaus äußerte sich die Verbundenheit der Mitglieder der alten Göttinger Guestphalia dahingehend, dass nunmehr diese ihre studierenden Söhne und Verwandten nach Göttingen zur Hildeso-Guestphalia schickten.

Mit Ausnahme einiger Semester der Suspension wegen Aktivenmangels zu Anfang der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts bestand der Aktivenbetrieb kontinuierlich bis in das Jahr 1935, in welchem Hildeso-Guestphalia dem durch die Nationalsozialisten und den Nationalsozialistischen Studentenbund aufgebauten Druck nicht mehr standhalten konnte und suspendieren, d.h. schließen musste.

Nach dem Zusammenbruch des 3. Reichs und dem verlorenen Krieg erfolgte vom 30. auf den 31. August 1947 das erste Corpstreffen in Hameln, wo der Wunsch geäußert wurde, das Corps solle sich ohne Fusion mit einem anderen Corps wieder auftun. Daraufhin fand im Frühsommer 1949 das erste Stiftungsfest nach dem 2. Weltkrieg in Göttingen statt. Nachdem der Aktivenbetrieb zunächst unter der Bezeichnung „Westfälische Tischgesellschaft“ erfolgte, da Corps noch nicht wieder an der Universität zugelassen waren, wurde am 02. Juni 1950 Hildeso-Guestphalia in alter Form als Corps rekonstituiert und konnte damit den aktiven Betrieb wieder aufnehmen. Nachdem Hildeso-Guestphalia erneut vom 21. April 1979 bis zum 19. Juli 1984 suspendieren musste, sind wir nunmehr über 160 Jahre alt, aber mit Sicherheit nicht ewig gestrig.